
{"id":891,"date":"2020-10-14T17:16:11","date_gmt":"2020-10-14T15:16:11","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.vida.at\/pensionisten\/?p=891"},"modified":"2020-10-14T17:16:13","modified_gmt":"2020-10-14T15:16:13","slug":"75-jahre-oegb-frauen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.vida.at\/pensionisten\/2020\/10\/14\/75-jahre-oegb-frauen-2\/","title":{"rendered":"75 Jahre \u00d6GB Frauen"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Das <strong>\u201everdammtes Weibsvolk\u201c auf dem Weg zur Gleichberechtigung<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Zehn Frauen leitete(n) seit dem Jahr 1945 die \u00d6GB-Frauenabteilung. Die Geschichte ihrer Errungenschaften gleicht einem H\u00fcrdenlauf mit schweren R\u00fccks\u00e4cken voller Forderungen zur Verbesserung des Lebens erwerbst\u00e4tiger Frauen. <strong>Die H\u00fcrden bestanden und bestehen immer noch aus alten Vorurteilen und konservativen Frauenbildern<\/strong>; dass sie sich nur f\u00fcr Politik interessieren w\u00fcrden, weil sie ihre eigentliche Bestimmung als Mutter verfehlt h\u00e4tten oder, dass das \u201everdammte Weibsvolk\u201c lieber bei ihren Kochl\u00f6ffeln bleiben sollte als politische \u00c4mter oder Karrieren anzustreben.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">ASVG: \u201eDas hervorragendste sozialpolitische Gesetzeswerk\u201c<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">GewerkschafterInnen und die Geschichte des Allgemeinen Sozialversicherungsgesetzes<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.oegb.at\/cs\/Satellite?blobcol=urldata&amp;blobheader=image%2Fjpeg&amp;blobkey=id&amp;blobtable=MungoBlobs&amp;blobwhere=1342725590174&amp;ssbinary=true&amp;site=S06\" alt=\"GewerkschafterInnen und die Geschichte des Allgemeine Sozialversicherungsgesetzes\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Es war eine wahre Herkulesaufgabe, aus rund 5000 bestehenden Paragrafen das <strong>Allgemeine Sozialversicherungsgesetz (ASVG) <\/strong>zu destillieren. Federf\u00fchrend dabei waren GewerkschafterInnen: Anfangs gr\u00fcndeten sie selbst Krankenkassen, sp\u00e4ter arbeiteten sie an der der gesetzlichen Verankerung der Krankenversicherung, der Unfallversicherung und der Pensionsversicherung mit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte des ASVG begann mit kollektiver Eigenvorsorge. Bergarbeiter und Z\u00fcnfte schufen Bruderladen. Mit der zunehmenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert und der Herausbildung des \u201eProletariats\u201c <strong>entstanden in Betrieben Solidarkassen<\/strong>, um verunfallte ArbeiterInnen sowie deren Angeh\u00f6rige zu versorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beh\u00f6rden waren allerdings dar\u00fcber nicht begeistert und inspizierten diese Solidarkassen. Sie fanden heraus, dass kaum eine dieser Kassen Statuten hatte und dass ihnen oft die Erlaubnis fehlte, unter FabrikarbeiterInnen Geld einzusammeln.<\/p>\n\n\n\n<figure><iframe loading=\"lazy\" width=\"476\" height=\"476\" src=\"https:\/\/www.facebook.com\/plugins\/video.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Foegb.at%2Fvideos%2F729005491012404%2F&amp;show_text=0&amp;width=476\" allowfullscreen=\"true\"><\/iframe><\/figure>\n\n\n\n<p>Diese Genehmigungen stellten die Beh\u00f6rden aber kaum aus, bestand doch die Furcht, dass das Geld f\u00fcr \u201esozialistische Umtriebe\u201c oder gar f\u00fcr Streikkassen vorgesehen sein k\u00f6nnte. Aber genau diese \u201eSolidarkassen\u201c waren die <strong>Keimzelle der sp\u00e4teren selbstverwalteten Sozialversicherungen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Der B\u00f6rsenkrach<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Verabschiedung des Vereinsgesetzes im Jahr 1867 erhielten ArbeiterInnen die M\u00f6glichkeit <strong>Vereine zu gr\u00fcnden und somit auch eigene Krankenkassen zu errichten<\/strong>. Der Gumpendorfer Arbeiterbildungsverein schuf sofort die allgemeine Arbeiter-, Kranken- und Invalidenkasse und diese nahm im Jahr 1868 die Arbeit auf. Dem Beispiel folgten viele andere, allerdings gab es immer einen Makel: <strong>Schieden die Versicherten aus den Kassen aus, verloren sie alle Anspr\u00fcche<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.oegb.at\/cs\/Satellite?blobcol=urldata&amp;blobheader=image%2Fjpeg&amp;blobkey=id&amp;blobtable=MungoBlobs&amp;blobwhere=1342725590127&amp;ssbinary=true&amp;site=S06\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>In der Folge des B\u00f6rsenkrachs im Mai 1873 stieg die Zahl der Arbeitslosen, Beitr\u00e4ge blieben aus. Das schw\u00e4chte die Kassen, heizte aber die <strong>Debatte um eine staatliche Pflichtversicherung<\/strong> an. Kaiser Franz Josef setzte schlie\u00dflich in den Jahren 1887 bis 1889 seine Unterschrift unter das <strong>Arbeiter-Unfallsversicherungsgesetz, das Krankenversicherungsgesetz und auch das neue Bruderladengesetz<\/strong>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1890 waren im \u00f6sterreichischen Teil der Monarchie von 9,3 Millionen unselbstst\u00e4ndigen Erwerbst\u00e4tigen nur 1,5 Millionen versichert. Die gr\u00f6\u00dfte Gruppe der Nichtversicherten waren die rund 6,5 Millionen Land- und ForstarbeiterInnen. Sie mussten auf die gesetzliche Krankenversicherung bis zur Ersten Republik warten.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Pensionsversicherung der Privatbeamten<\/p>\n\n\n\n<p>Eine der drei S\u00e4ulen des ASVG ist die <strong>Pensionsversicherung <\/strong>und diese war besonders hart umstritten. Dem Obmann des Ersten Allgemeinen Beamtenvereins, Anton Blechschmidt, gelang es nach jahrelangem Engagement die <a href=\"https:\/\/www.oegb.at\/cms\/S06\/S06_0.a\/1342634290143\/home\/so-san-die-emanzen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">gesetzliche Verankerung der Altersversorgung der Privatbeamten (Angestellte) im Jahr 1906 zu erk\u00e4mpfen<\/a>. Allerdings orientierte sich das Gesetz an m\u00e4nnlichen Erwerbsbiografien und beinhaltete zahlreiche Ausschlussregelungen \u2013 es war das <strong>letzte Sozialversicherungsgesetz der Monarchie<\/strong>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Erste Republik<\/p>\n\n\n\n<p>Dies \u00e4nderte sich w\u00e4hrend der ersten beiden Jahre der Ersten Republik. Unter der \u00c4gide des Textilgewerkschafters und&nbsp;Staatsekret\u00e4rs f\u00fcr soziale Verwaltung, Ferdinand Hanusch, ergingen zwischen 1918 und 1920 eine Vielzahl von Sozialgesetzen, etwa das&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.oegb.at\/cms\/S06\/S06_7.1_mendel_marliese.a\/1342625021237\/kontakt\/autorinnen\/marliese-mendel\/mehr-freizeit-mehr-mensch-sein\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Achtstundentagsgesetz<\/a>, das Betriebsr\u00e4tegesetz, das&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.oegb.at\/cms\/S06\/S06_7.1_mendel_marliese.a\/1342622725023\/kontakt\/autorinnen\/marliese-mendel\/von-katzenmusik-und-kollektivvertraegen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kollektivvertragsgesetz<\/a>, das Arbeiterurlaubsgesetz, das Krankenkassenorganisationsgesetz (Fusionierung von Krankenkassen) und das Gesetz betreffend die Krankenversicherung der Staatsbediensteten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.oegb.at\/cs\/Satellite?blobcol=urldata&amp;blobheader=image%2Fjpeg&amp;blobkey=id&amp;blobtable=MungoBlobs&amp;blobwhere=1342725590196&amp;ssbinary=true&amp;site=S06\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Der Vater der Sozialgesetzgebung Ferdinand Hanusch&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In den folgenden Jahren wurden erstmals die drei Zweige <strong>Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung gesetzestechnisch zusammengefasst<\/strong>, aber getrennt nach Besch\u00e4ftigungsgruppen verankert im Angestelltenversicherungsgesetz, im Landarbeiterversicherungsgesetz und im Arbeiterversicherungsgesetz.<\/p>\n\n\n\n<p>Und es gab wieder eine Vielzahl von Ausschlussgr\u00fcnden. Diesmal war es eine die ArbeiterInnen und LandarbeiterInnen betreffende Wohlstandsklausel: <strong>Erst bei durchschnittlich weniger als 100.000 Arbeitslosen w\u00fcrde die Altersversicherung in Kraft treten<\/strong>. Dies geschah w\u00e4hrend der Ersten Republik und des Austrofaschismus nie.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Herkulesaufgabe<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum waren Naziherrschaft und Krieg vorbei, begannen GewerkschafterInnen am Sozialversicherungsrecht zu arbeiten. Der \u00d6GB-Obmann und <strong>Staatssekret\u00e4r f\u00fcr soziale Verwaltung, Johann B\u00f6hm<\/strong>, legte bereits im August 1945 einen Gesetzesentwurf vor. Dann begann die <strong>Herkulesaufgabe: der Weg zum ASVG<\/strong>. Allein im Hauptverband der Sozialversicherungstr\u00e4ger fanden 124 Sitzungen statt. Daraus resultierten einige Gesetze, die den Weg zum ASVG ebneten. Es fehlte aber noch die Rentenreform und vor allem die Gesamtkodifikation von Kranken-, Unfall-, und Pensionsversicherung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas hervorragendste sozialpolitische Gesetz\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der damalige Vorsitzende der Gewerkschaft der Angestellten in der Privatwirtschaft,&nbsp;<strong>Friedrich Hillegeist<\/strong>, arbeitete eine&nbsp;<strong>Rentenform&nbsp;<\/strong>aus. Kaum vorgelegt f\u00fchrte sie zu heftigen Diskussionen auch innerhalb der Gewerkschaften f\u00fchrte \u2013 im Jahr 1952 zerbrach an den Verhandlungen zum Bundesbeitrag zu den Pensionen die \u00d6VP-SP\u00d6-Regierung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach den Neuwahlen und der Neuauflage der \u00d6VP-SP\u00d6-Regierung arbeiteten der Hauptverband der Sozialversicherungstr\u00e4ger und das Sozialministerium sukzessive Entw\u00fcrfe f\u00fcr alle Teile des ASVG aus und verschickten sie zur Begutachtung. Die Stellungnahmen waren aber sehr unterschiedlich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.oegb.at\/cs\/Satellite?blobcol=urldata&amp;blobheader=image%2Fjpeg&amp;blobkey=id&amp;blobtable=MungoBlobs&amp;blobwhere=1342725590148&amp;ssbinary=true&amp;site=S06\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Also setzte der <strong>Sozialminister Karl Maisel<\/strong> ein Verhandlungskomitee ein. In diesem wurde ab dem 24. Februar 1955 jeder einzelne Paragraf des Entwurfs durchbesprochen. Am 19. Juli 1955 war es soweit, der Gesetzesentwurf wurde vom Ministerrat verabschiedet, dem Parlament zugewiesen, im Ausschuss f\u00fcr soziale Verwaltung diskutiert \u2013 und noch 154 \u00c4nderungen vorgenommen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Am 9. September 1955 verabschiedete der Nationalrat das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz<\/strong> \u2013 darin enthalten war auch der zuvor heftig kritisierte \u201eHillegeist-Plan\u201c f\u00fcr die Rentenreform. Er sagte im Parlament: \u201eDas ASVG ist entgegen aller unsachlichen Hetze, (\u2026), das hervorragendste sozialpolitische Gesetzeswerk, das in \u00d6sterreich nach 1945 geschaffen worden ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00fcrdenlauf<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrer Periode verabschiedete das Parlament das <strong>Kinderbeihilfengesetz <\/strong>(1949), das Heimarbeitsgesetz (1954), das <strong>Mutterschutzgesetz<\/strong> (1957 und den <strong>bezahlten Karenzurlaub<\/strong> (1960).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch <strong>viele Forderungen blieben offen<\/strong>, wie die Abschaffung der Frauenl\u00f6hne in den Kollektivvertr\u00e4gen oder die Verbesserung der bestehenden Gesetze. Dies nahm ihre Nachfolgerin, Rosa Weber auf und w\u00e4hrend ihrer vierj\u00e4hrigen Amtszeit wurden die Familienbeihilfen und die Fr\u00fchpensionen erh\u00f6ht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.oegb.at\/cs\/Satellite?blobcol=urldata&amp;blobheader=image%2Fjpeg&amp;blobkey=id&amp;blobtable=MungoBlobs&amp;blobwhere=1342726865342&amp;ssbinary=true&amp;site=S06\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Vizepr\u00e4sidentin<\/p>\n\n\n\n<p>Eine gro\u00dfe H\u00fcrde wurde im Jahr 1975 mit der <a href=\"https:\/\/www.oegb.at\/cms\/S06\/S06_7.1_mendel_marliese.a\/1342632244782\/kontakt\/autorinnen\/marliese-mendel\/als-die-gleichberechtigung-die-gottgewollte-ordnung-zerstoerte\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Reform des Familienrechts<\/a> genommen. Neben zahlreichen wichtigen Errungenschaften, wurde u. a. der Mann als Oberhaupt der Familie abgeschafft und Ehefrauen konnten nun selbst entscheiden, ob sie berufst\u00e4tig sein wollen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine der zentralen Forderungen der \u00d6GB-Frauen war das <strong>Funktion\u00e4rinnen auch innergewerkschaftlich mehr Mitsprachrecht<\/strong> erhalten. Es brauchte viel \u00dcberzeugungsarbeit, bis im Jahr 1979, Maria Metzker, als erste Frau Vizepr\u00e4sidentin wurde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sie erhielt auch ein wichtiges Werkzeug zur Abschaffung der Frauenl\u00f6hne in den Kollektivvertr\u00e4gen, das im Jahr 1979 verabschiedete <strong>Gleichbehandlungsgesetz<\/strong>. Trotzdem blieb die Einkommensschere weit offen. Dies war nur eine der Aufgaben von Metzkers Nachfolgerin, Hilde Seiler.&nbsp;<img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.oegb.at\/cs\/Satellite?blobcol=urldata&amp;blobheader=image%2Fjpeg&amp;blobkey=id&amp;blobtable=MungoBlobs&amp;blobwhere=1342726865463&amp;ssbinary=true&amp;site=S06\"><em>li: Irmgard Schmidleithner, re.: Johanna Dohnal&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>50 Diskriminierungen<\/p>\n\n\n\n<p>In Seilers Amtszeit verabschiedete der Nationalrat u. a. das frauenpolitisch wichtige Gesetz: <strong>Eltern-Karenzurlaubsgesetz<\/strong> (1990). Aber der Verfassungsgerichtshof ver\u00f6ffentlichte auch die Erkenntnis, dass die geschlechtsspezifische Regelung des Pensionsanfallsalters dem verfassungsrechtlich verankerten Gleichheitsgrundsatz widerspr\u00e4che. Gleichzeitig empfahl er aber auch bei der Neuregelung, lange \u00dcbergangsfristen zu setzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Seilers Nachfolgerin, Irmgard Schmidleithner \u00fcbernahm die Aufgabe, die bestehenden Diskriminierungen zu erfassen, einen Ma\u00dfnahmenkatalog zu erarbeiten und Verb\u00fcndete beim Kampf zu finden \u2013 eine davon war die <a href=\"http:\/\/www.oegb.at\/cms\/S06\/S06_7.1_mendel_marliese.a\/1342626389011\/kontakt\/autorinnen\/marliese-mendel\/johanna-dohnal-und-die-gewerkschaften\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">erste Frauenministerin \u00d6sterreichs, Johanna Dohnal<\/a>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>Gesamtschau der Ungerechtigkeiten umfasste schlie\u00dflich 50 Punkte<\/strong>. Die UnternehmerInnen antworteten darauf mit \u201eIhr seid wahnsinnig, diese Forderungen k\u00f6nnen wir nicht guthei\u00dfen\u201c. Immer wieder stockten die Verhandlungen, also schickten die \u00d6GB-Frauen <strong>t\u00e4glich 200 Pakete<\/strong>, deren Inhalt die Forderungen waren, an die Bundeswirtschaftskammer. Schlie\u00dflich gelang es nach Marathonsitzungen im Oktober 1992 das <strong>Gleichbehandlungspaket <\/strong>zu vereinbaren. Rund 15 Gesetze wurden novelliert und die Anhebung des Pensionsantrittsalters der Frauen auf das Jahr 2024 verschoben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mitten in die Verhandlungen platzte aber auch ein Entscheid des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs. Das <strong>Frauennachtarbeitsverbot in \u00d6sterreich widerspr\u00e4che der EU-Gleichbehandlungsrichtlinie<\/strong>. Also arbeiteten die \u00d6GB-Frauen die Rahmenbedingungen f\u00fcr ein geschlechterneutrales Nachtarbeitsgesetz aus. Auf gesetzlicher Basis gelangen zwar nur geringe Verbesserungen, aber in einigen Kollektivvertr\u00e4gen wurden die Schw\u00e4chen des Gesetzes ausgebessert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Konservative Frauenpolitik<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem <strong>Antritt der schwarz-blauen Regierung<\/strong>, begann die Zeit der sehr konservativen Frauenpolitik. In rasantem Tempo schuf die Koalition Errungenschaften der Frauenbewegung ab. Schmidleithners Nachfolgerin, Renate Cs\u00f6rgits, wies unentwegt auf die hohe Frauenarbeitslosigkeit, den Anstieg Frauen in Teilzeit hin, wehrte sich gegen im Frauenblock bei der Demonstration gegen die geplante Pensionsreform und startete zahlreiche Aktionen gegen sexuelle Bel\u00e4stigung und zur Schlie\u00dfung der Einkommensschere. Aus ihrer Zeit stammt der Slogan: \u201e<strong>Wenn es ein M\u00e4dchen wird, nennen wir es Einkommensunterschied<\/strong>\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.oegb.at\/cs\/Satellite?blobcol=urldata&amp;blobheader=image%2Fjpeg&amp;blobkey=id&amp;blobtable=MungoBlobs&amp;blobwhere=1342726865413&amp;ssbinary=true&amp;site=S06\"> <em>&nbsp;Susanne Hofer, Vorsitzende der \u00d6sterreichischen Gewerkschaftsjugend<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Quotenfrauen<\/p>\n\n\n\n<p>Innergewerkschaftlich waren die \u00d6GB-Frauen erfolgreich. Nachdem seit dem Jahr 1979 die <strong>Frauenvorsitzende auch \u00d6GB-Vizepr\u00e4sidentin<\/strong> war, machte der \u00d6GB im Jahr 2006 einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Chancengleichheit. In den Statuten wurde verankert, dass Frauen \u2013 gem\u00e4\u00df ihrem Anteil an Mitgliedern \u2013 <strong>in allen Gremien des \u00d6GB<\/strong> vertreten sein m\u00fcssen. Cs\u00f6rgits Nachfolgerin, Brigitte Ruprecht war eine Quotenfrau und setze sich daf\u00fcr ein, dass der \u00d6GB \u201eweiblicher\u201c wurde und f\u00fchrte den heute noch erfolgreichen Frauenpolitischen Lehrgang ein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In Ruprechts Funktionsperiode verwandelten sich zahlreiche Forderungen der \u00d6GB-Frauen in Gesetzestexte wie etwa der 25prozentige Mehrarbeitszuschlag f\u00fcr Teilzeitbesch\u00e4ftigte (2008), das einkommensabh\u00e4ngige Kindergeld (2010), die Einkommensberichte (2011). Offen blieb die Einkommensschere und Forderungen wie das Papamonat, 1.500 Euro Mindestlohn und eine Frauenquote in Aufsichtsr\u00e4ten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.oegb.at\/cs\/Satellite?blobcol=urldata&amp;blobheader=image%2Fjpeg&amp;blobkey=id&amp;blobtable=MungoBlobs&amp;blobwhere=1342726865321&amp;ssbinary=true&amp;site=S06\"> <em>\u00d6GB-Aktuell \u2013 wieso ist seine Arbeit mehr wert?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>1.500 Euro&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ruprecht gab diese und auch den Kampf gegen die \u00d6VP-Forderung zur vorzeitigen Anhebung des Frauenpensionsantrittsalters an ihre Nachfolgerin Sabine Oberhauser weiter. Sie sagte dazu: \u201e<strong>Solange es die Gleichberechtigung nicht gibt, gehen Frauen fr\u00fcher in Pension<\/strong>\u201c. Im September 2014 wurde sie Gesundheitsministerin, Renate Anderl \u00fcbernahm den Vorsitz der \u00d6GB-Frauen und sie sagt, dass es einer der gr\u00f6\u00dften Erfolge der Gewerkschaftsfrauen war, den \u00d6VP-Plan zu verhindern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei ist ihnen noch vieles mehr gelungen: die Abwendung der von der WK\u00d6 geforderten Sonntags\u00f6ffnung von Gesch\u00e4ften, die Verankerung des Mindestlohns von 1.500 Euro in vielen Kollektivvertr\u00e4gen sowie zahlreiche Verbesserungen bei bestehenden Gesetzen und die Umsetzung alter Forderungen: <strong>Frauenquoten in Aufsichtsr\u00e4ten<\/strong> (2017) oder&nbsp; die Abschaffung des Partnereinkommens bei der Notstandshilfe (2018).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Corona<\/p>\n\n\n\n<p>Ende April 2018 bekam Bundeskanzler Sebastian Kurz eine neue Gegenspielerin: <strong>Renate Anderl wurde Arbeiterkammerpr\u00e4sidentin. Als \u00d6GB-Frauenvorsitzende folgte ihr Korinna Schumann<\/strong>. Und im Mai ging Ruprechts Forderung: der \u00d6GB muss weiblicher werden, zumindest teilweise in Erf\u00fcllung. <strong>Susanne Hofer wurde als erste Frau Vorsitzende der Gewerkschaftsjugend<\/strong>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In den ersten Monaten von Schumanns T\u00e4tigkeit wurden zwei langj\u00e4hrige Forderungen gesetzlich verankert: der <strong>Rechtsanspruch auf das Papamonat und die Anrechnung der Karenzzeit<\/strong> auf dienstzeitabh\u00e4ngige Zahlungen \u2013 und dann kam die Corona-Pandemie.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Reaktion\u00e4res Frauenbild<\/p>\n\n\n\n<p>Schumann sagt, dass gerade Frauen w\u00e4hrend des Lockdowns vor gro\u00dfen Problemen standen und die <strong>Ungleichheiten mit einem Schlag versch\u00e4rft<\/strong> wurden: Frauen schupften w\u00e4hrend des Home-Office auch noch die Kinderbetreuung, den Haushalt und das Homeschooling. Es wurde sichtbar, dass <strong>gerade Frauen in schlechtbezahlten, aber systemrelevanten Berufen arbeiten<\/strong>, und auch wie Tief das veraltete und konservative, fast reaktion\u00e4res Frauen- und Familienbild noch verankert ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gewerkschaftsfrauen haben aber schon immer f\u00fcr die Rechte der arbeitenden Frauen gek\u00e4mpft und den Rucksack voller Forderungen und Herausforderungen geschultert und \u00fcber alle H\u00fcrden hinweg getragen \u2013 solange bis er leichter wurde, aus Forderungen Gesetze oder kollektivvertragliche Regelungen wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.oegb.at\/cs\/Satellite?blobcol=urldata&amp;blobheadername1=content-type&amp;blobheadername2=content-disposition&amp;blobheadervalue1=application%2Fpdf&amp;blobheadervalue2=inline%3B+filename%3D%2275_Jahre_%25C3%2596GB_Frauen.pdf%22&amp;blobkey=id&amp;blobnocache=false&amp;blobtable=MungoBlobs&amp;blobwhere=1342726865791&amp;ssbinary=true&amp;site=S06\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Die Errungenschaften der \u00d6GB-Frauen von 1945 bis 2019 gesammelt<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute, am 30. Juli, ist der Tag, an&nbsp;dem M\u00e4nner in \u00d6sterreich bereits so viel Pension bekommen haben, wie Frauen erst bis Jahresende erhalten werden. Auch wenn im Vergleich zum Vorjahr ein Tag gewonnen wurde, ist die Lage weiterhin bedenklich und inakzeptabel. Elisabeth Vondrasek, Vorsitzende der vida-Frauen und stellvertretene vida-Vorsitzende, spricht im Interview dar\u00fcber, wie man den Frauen helfen kann und warum der Equal Pension Day so wichtig ist.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heute ist der Equal Pension Day: Warum gibt es den Tag und warum ist der Tag so wichtig?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Elisabeth Vondrasek: <\/strong><em>\u201eHeute ist der Tag, an dem M\u00e4nner in \u00d6sterreich bereits so viel an Pension bekommen haben, wie Frauen im gesamten Jahr erhalten. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich Nieder\u00f6sterreich dabei um zwei Tage verbessert. Es ist noch immer so, dass die Pensionen von M\u00e4nnern im Durchschnitt deutlich h\u00f6her sind als die von Frauen, die Spitze liegt bei 42 Prozent Differenz. So etwas ist nat\u00fcrlich inakzeptabel und es gilt, darauf \u00f6ffentlich hinzuweisen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum gibt es solche Unterschiede? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Elisabeth Vondrasek: <\/strong><em>\u201eDaf\u00fcr gibt es mehrere Gr\u00fcnde. Einerseits ist es so, dass viele Frauen mehrere Jahre lang in Teilzeit oder in schlechter bezahlten Jobs arbeiten. Dazu kommt dann noch, dass viele Frauen eine Berufspause einlegen, um sich um die Kinder und die Familie zu k\u00fcmmern. Auch das Pflegen von Angeh\u00f6ren ist da ein Thema.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hei\u00dft das im Umkehrschluss, dass das Gr\u00fcnden einer Familie f\u00fcr die Frau sp\u00e4ter Nachteile hat? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Elisabeth Vondrasek: <\/strong><em>\u201eJa, das kann man so sagen, es darf aber keinesfalls so sein, dass Kinderkriegen zur Falle wird. Die Regierung ist hier gefordert. Es passt nicht zusammen, dass wir einerseits davon reden, dass die Kinder unsere Zukunft sind, auf der anderen Seite legen wir den Frauen und damit&nbsp;Familien Steine in den Weg, wo sie es sich dann \u00fcberlegen m\u00fcssen, ob sie Kinder bekommen wollen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hat die Corona-Krise die Situation von Frauen weiter versch\u00e4rft?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Elisabeth Vondrasek:<\/strong><em> \u201eJa und nein, am Beginn der Krise waren M\u00e4nner deutlicher von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit betroffen. Der Unterschied ist aber, dass es bei Frauen \u00f6fter jene trifft, die gute Qualifikationen haben. Laut Wiener Zeitung sind die 64.000, die im Juni im Vergleich zu Februar mehr arbeitslos waren, zu 85 Prozent weiblich.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was muss die Regierung tun, um den Equal Pension Day der Vergangenheit angeh\u00f6ren zu lassen?&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Elisabeth Vondrasek: <\/strong><em>\u201eWichtigste Forderung unsererseits ist die stufenweise Verl\u00e4ngerung der Anrechnung der Kindererziehungszeiten bis zum 8. Lebensjahr des Kindes, statt bisher bis zum 4. Lebensjahr. Unser neues Modell w\u00fcrde Frauen insgesamt 175,40 Euro mehr im Monat bringen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft vida, Elisabeth Vondrasek, zum Equal Pension Day\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/7H-oyR9-wrA?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link\" href=\"https:\/\/www.oegb.at\/cms\/S06\/S06_0.a\/1342634110128\/home\/frauen-bekommen-42-weniger-pension-als-maenner\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">&gt;&gt;&gt; Frauen bekommen 42% weniger Pension als M\u00e4nner<\/a><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das \u201everdammtes Weibsvolk\u201c auf dem Weg zur Gleichberechtigung Zehn Frauen leitete(n) seit dem Jahr 1945 die \u00d6GB-Frauenabteilung. 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